SORT · Kärtchensortieraufgaben · PH Luzern

SORT II — was ich vorhabe, und wo du ins Spiel kämst

Lieber Martin, ich plane ein Anschlussprojekt an SORT und möchte es gern mit dir besprechen. Hier steht, was es heute gibt, wohin ich damit will und welche Fragen noch offen sind.

1SORT heute

SORT steht für Sortieren, Ordnen, Reflektieren, Transfer. Das Projekt entwickelt Kärtchensortieraufgaben für selbstregulierte Lernphasen auf der Sekundarstufe I. Eine Gruppe ordnet Karten mit Termen, Figuren oder Aussagen, einigt sich auf ein Kriterium, begründet es und entscheidet die Grenzfälle. Entscheidend ist nicht die fertige Sortierung, sondern die Begründung.

Das Pilotprojekt wird von der Milton Ray Hartmann Stiftung gefördert und läuft bis Sommer 2027. Es entstehen acht Kartensätze für die Klassen 7 und 9, jeder mit mehreren Sortierlogiken, erprobt in fünf Klassen an der Kantonsschule Reussbühl und der Sekundarschule Hochdorf.

Zum Anschauen

Die Projektseite erklärt, worum es geht und wie eine Stunde läuft. Und hier sind alle 21 Aufgaben, die es bisher gibt, aus vier Themen. Sie laufen direkt im Browser; es ist ein Zwischenstand, manches hakt noch.

Alle 21 Aufgaben anzeigen

Was ich dafür gebaut habe

Die SortierflächenJede Aufgabe eine HTML-Datei, im Browser, ohne Konto.

Jede Aufgabe ist eine einzelne HTML-Datei: Sie läuft im Browser, ohne Konto und ohne Installation, zwei bis vier Lernende an einem Gerät. Zu jedem Thema gibt es einen Kartensatz, aus dem sich mehrere Aufgaben stellen lassen: frei gruppieren, Dreiergruppen finden, immer – manchmal – nie entscheiden. Einzelne Karten sind absichtlich Stolpersteine.

Kasper (KArtensets Planen, Erzeugen, Revidieren)Ein KI-gestützter Assistent, der die Kartensätze mit mir baut.

Kasper kennt die Sortierlogiken, die Qualitätskriterien für Karten und die technische Umsetzung bis zur fertigen Datei. Er ist damit mehr als ein Prompt. Zugleich ist er bisher auf mich zugeschnitten; im Einsatz durch andere ist er nicht erprobt.

Die AufnahmeIn der Erprobungsfassung wird jede Kartenbewegung und das Gespräch aufgezeichnet.

In der Erprobungsfassung zeichnet jede Aufgabe auf, wie die Gruppe sortiert: jede Kartenbewegung und das Gespräch dazu. Die Gruppe legt ihr Paket selbst in den Ordner ihrer Klasse; niemand aus dem Projektteam muss dafür im Raum sein. Die öffentlichen Fassungen nehmen nichts auf.

Das Abspiel- und AuswertungswerkzeugVorerst nur für uns, für die Auswertung in SORT.

Gebaut ist es vorerst nur für uns, für die Auswertung in SORT. Wir ziehen die Pakete einer Klasse hinein, sehen die Klasse im Überblick und können jede Gruppe abspielen und anhören, so wie die Sortierung entstanden ist. Es läuft im Browser, die Aufnahmen bleiben auf dem eigenen Rechner. Es übernimmt bereits erste, vorsichtige Auswertungen statistischer Art und markiert Stellen, an denen genaueres Hinhören lohnen könnte. Das ist noch nicht gut: Erst aus unseren eigenen Auswertungen werden wir gezielter sagen können, welche Stellen es markieren sollte. Wie sich das Werkzeug auf Lehrpersonen übertragen lässt, überlegt SORT II (siehe unten). Das Werkzeug ansehen — ohne ein Paket bleibt es leer; ich zeige es dir gern mit echten Daten.

Was bis zum Ende von SORT noch ansteht

2Was ich mit SORT II vorhabe

SORT zeigt, dass die Aufgaben im Unterricht funktionieren. Für eine Handvoll Klassen und einzelne Themen. SORT II soll daraus ein Angebot für die ganze Sekundarstufe I machen. Ich möchte es bei der Stiftung Mercator Schweiz beantragen: drei Jahre, Start frühestens Herbst 2027.

Feintuning durch breitere ErprobungRund zwölf Klassen im Jahr, danach gezielt überarbeiten.

Bis zum Ende von SORT ist gezeigt, dass die Aufgaben im Unterricht funktionieren. Was fehlt, ist Reichweite: Fünf Klassen zweier Schulen sind für einen Pilot angemessen und für belastbare Aussagen zu wenig. Erprobt ist je Set nur ein Teil der Sortierlogiken, und die Sets decken einzelne Themen ab, nicht ein Schuljahr.

SORT II setzt die Applets in rund zwölf Klassen im Jahr ein, mit dem Schwerpunkt auf Volksschulen, weil dort die Anbindung an Lehrplan und Lehrmittel am unmittelbarsten greift. Die noch nicht eingesetzten Sortierlogiken kommen in den Unterricht. Jedes Set geht nach der Erprobung mindestens einmal in die Überarbeitung: Welche Sortierlogik trägt, welche Karte hakt, welche Sortierfläche passt nicht zur Aufgabe.

Die Auswertung dient der Entwicklung. Sie soll zeigen, ob die Applets bei den Schülerinnen und Schülern funktionieren und was zu überarbeiten ist, nicht mehr. Die Daten können später für Begleitforschung genutzt werden, aber die ist nicht Teil des Projekts.

Die ganze Sekundarstufe IKartensätze für alle drei Klassenstufen, abgestimmt auf Lehrplan und Lehrmittel.

Neu sind Sets für die Klasse 8 und weitere Themen, bis der Lehrplan über ein Schuljahr abgedeckt ist. Der ganze Satz wird mit dem Lehrplan 21, dem Mathbuch und dem Zürcher Lehrmittel abgeglichen. Material, das zum Thema der nächsten Woche passt, wird eingesetzt; Material neben dem Lehrmittel selten.

Einsetzbar ist das Angebot auf der ganzen Sekundarstufe I, in der Sekundarschule wie im Langzeitgymnasium, denn die Lehrpläne der Luzerner Untergymnasien sind auf Durchlässigkeit zum Lehrplan 21 angelegt.

Damit das in diesem Umfang geht, wird Kasper so weit dokumentiert, dass auch andere als ich damit Sets bauen können.

Eine PlattformWo die Applets leben und die Lehrperson die Prozesse ihrer Klasse ansieht.

Ein Ort, an dem die Applets leben und Lehrpersonen finden, was zu ihrer Planung passt, geordnet nach Lehrplan und Kapiteln des Lehrmittels, und an dem sie sich die Prozesse ihrer Klasse ansehen können.

Heute sieht eine Lehrperson am Ende die fertigen Sortierstände. Was während des Sortierens geschieht, sieht sie nicht: was zuerst zusammengelegt und dann verworfen wurde, wo eine Gruppe ihr Kriterium gewechselt hat. Genau dieser Verlauf ist für den Unterricht interessant, und genau ihn macht unser Abspielwerkzeug sichtbar.

Meine Idee dazu: Das Abspielwerkzeug bleibt, wie es ist, und läuft im Browser. Umgebaut wird die Aufnahme. Sie landet nicht bei uns: Die Lehrperson gibt selbst die Adresse ein, an der die Aufnahmen ihrer Klasse landen sollen. Ob sie dafür SWITCHdrive nutzt oder etwas anderes, ist ihre Sache; eine bestimmte Cloud binden wir nicht an. Mit dem Abspielwerkzeug sieht sie sie sich dann an, ohne dass etwas hochgeladen werden muss. Das hält den Datenschutz einfach und den Betrieb klein.

Umzusetzen ist das technisch, und das Werkzeug muss so werden, dass eine Lehrperson ohne Einarbeitung schnell sieht, was in den Gruppen passiert ist.

Warum digital überhaupt: Papierkärtchen werden am Ende der Stunde eingesammelt, und die Arbeit ist weg. Digital bleibt nicht nur der Stand, sondern der Verlauf, vergleichbar zwischen Gruppen und in einer späteren Stunde wieder aufgreifbar. Neu ist nicht die Sortiermechanik, sondern dass die Umgebung auf diesen Schritt hin gebaut ist: das Wiederaufgreifen im Klassengespräch.

LehrerfortbildungenEinsetzen in selbstregulierten Phasen und zurück ins Klassenzimmer.

Die Handreichung aus SORT beschreibt, wie eine Sortierphase eingeführt wird, worauf während der Gruppenarbeit zu achten ist und wie sich die Ergebnisse aufgreifen lassen. Was ein Text nicht kann: Lehrpersonen die Gelegenheit geben, es zu tun und zu besprechen, wie es gelaufen ist.

SORT II macht daraus ein Fortbildungsformat: auswählen, einsetzen, das Ergebnis im Klassengespräch aufgreifen, die eigene Durchführung reflektieren. Es wird zweimal durchgeführt und dazwischen überarbeitet; danach soll es ins Programm der Weiterbildung der PH Luzern übergehen.

Der Ablauf

Wie die drei Jahre aussehen könntenEin grober Ablauf, Jahr für Jahr.
Jahr 1Jahr 2Jahr 3
KartensätzeErste Sets für Klasse 8; Abgleich mit Lehrplan und Lehrmitteln; Kasper übergabefähig machenÜberarbeitung aus dem ersten Zyklus; weitere ThemenZweite Überarbeitung; der vollständige Satz
PlattformPlattform aufbauen; Abspielwerkzeug für Lehrpersonen anpassenLehrpersonen nutzen es selbst; Ausbau nach ihren RückmeldungenVerstetigung; Weiterbetrieb klären
FortbildungFormat konzipieren, Bedarf klärenErster DurchgangZweiter Durchgang, überarbeitet; Übergabe an die Weiterbildung
ErprobungNoch nicht eingesetzte Sortierlogiken der Klassen 7 und 9; erste Sets für Klasse 8Überarbeitete Sets aller drei Stufen; rund zwölf KlassenZweiter Zyklus; Einsatzempfehlungen

So steht es in meiner Rohfassung der Projektskizze; alles noch verhandelbar.

3Ein Kernteam, und wo du ins Spiel kämst

Ich möchte SORT II nicht allein tragen, sondern mit einem kleinen Kernteam, in dem jede Person etwas mitbringt, was die anderen nicht haben. So stelle ich es mir vor:

Ich
Die Leitung des Projekts. Von mir stammen die Systematik der Sortieraktivitäten, die Sets aus SORT und die Entwicklung mit Kasper. In meinen eigenen Veranstaltungen in der Lehrpersonenbildung setze ich Sortieraufgaben ebenfalls ein, etwa zur Wahrscheinlichkeitsrechnung, zu Differentialgleichungen und zu komplexen Zahlen.
Luzia
Die Verbindung zur Schule und zum Kanton, über die Fachberatung Mathematik; der Lehrplan und der Zugang zu den Klassen. In welchem Umfang Luzia mitmachen möchte, ist noch nicht geklärt.
Du
Du bringst drei Dinge mit, die SORT II braucht: Erfahrung in der Materialentwicklung, Erfahrung in der Entwicklung von Applets, und das Lehrmittel selbst, weil du das Mathbuch von innen kennst. Dazu kommt deine Dissertation: Du untersuchst, welche Rolle Selbstregulationsfähigkeiten beim explorierenden Arbeiten spielen und wie sich Lernende dabei adaptiv unterstützen lassen. Das liegt nah an der Frage, wie Sortieraufgaben in selbstregulierten Phasen tragen.

Dazu sollen wissenschaftliche Mitarbeitende kommen, die einen grossen Teil der Arbeit übernehmen: Kartensätze mit Kasper bauen, die Erprobung begleiten, die Aufnahmen sichten. Ich möchte, dass wir im Kernteam entwickeln, prüfen und entscheiden, und nicht alles selbst machen.

4Offene Fragen

Wie viel Erprobung und Auswertung braucht die Entwicklung?

SORT II ist ein Entwicklungsprojekt, kein Forschungsprojekt. Die Auswertung soll zeigen, ob die Applets bei den Schülerinnen und Schülern funktionieren und was wir überarbeiten müssen, nicht mehr. Wie verteilen wir die Stunden zwischen Erprobung, Auswertung und Entwicklung?

Wo lebt die Plattform?

Nach Auskunft von Maurus möchte die PH Luzern selbst keine Plattformen betreiben. Heute liegen die Aufgaben auf GitHub Pages. Für ein professionelles Angebot reicht das vermutlich nicht. Wo also sollen die Applets leben?

Wer trägt die technische Entwicklung?

Können wir das mit unserer eigenen Erfahrung stemmen — deiner mit den Mathbuch-Applets, meiner mit den Sortierflächen —, oder brauchen wir ICT-Expertise im Projekt oder als Auftrag?

Wie viel wissenschaftliche Mitarbeit, und wofür?

Mir ist wichtig, dass wir das nicht zu zweit oder zu dritt stemmen. Wie viele Mitarbeitende sind sinnvoll, in welchem Umfang, und welche Arbeit geben wir ihnen?

Und du selbst

Hättest du Lust, im Kernteam mitzumachen, und in welchem Umfang wäre das für dich möglich?

Ich freue mich auf das Gespräch.
Henrike

Stand: Ende September 2026. Die Projektidee ist noch nicht eingereicht.